Rudi auf Kickstarter: Warum das Crowfunding für unsere Kinder-App nicht geklappt hat

 

Hallo Ihr Lieben!

Leider endete unsere Crowdfunding-Kampagne bei Kickstarter letzten Donnerstag ohne Erfolg. Zunächst möchten wir uns aber bei allen Unterstützern ganz herzlich bedanken – Ihr seid großartig!

Durch die Kickstarter-Kampagne wollten wir die Übersetzung, die Sprecher und die Vertonung unserer „Rudi Regenbogen“ Kinder-App finanzieren. Die Kampagne lief 30 Tage, jedoch konnten wir nur 33% des Funding-Ziels erreichen. Schon als abzusehen war, dass die Kampagne wohl scheitern wird, haben wir uns viele Gedanken über das „Warum“ gemacht. Und natürlich auch darüber, wie es mit unserer Kinder-App weiter gehen soll. Wir  haben einige Dinge gesammelt, die wir das nächste Mal anders machen würden. Darüber möchten wir euch heute in unserem selbstreflektierenden Erfahrungs-Bericht über die Crowdfunding-Welt erzählen.

 

Warum überhaupt Crowdfunding?

Als wir gemerkt haben, dass so ein Tonstudio vielleicht Geld haben möchte und auch Sprecher selten gratis ins Mikrofon sprechen, war klar: wir brauchen Geld. Wir finden die Idee des Crowdfundings sehr spannend und haben auch selbst schon einige Projekte auf Kickstarter und Startnext unterstützt. Nun wollten wir das mit dem Crowdfunding auch einmal von der anderen Seite erleben. Unsere App-Idee mit Hilfe von Freunden und Menschen zu realisieren, denen unser Projekt gefällt, fanden wir zunächst mal richtig toll. Um eine größere Reichweite zu erlangen und weil es unsere App ja auch auf Englisch geben soll, dachten wir, Kickstarter sei für Rudi die ideale Plattform. Also begannen wir, englische Texte auszuformulieren, die Kampagnen-Bilder zu gestalten, ein Video zu schneiden und der Welt von der Kampagne zu erzählen.

 

Warum ist unsere Kickstarter-Kampagne gescheitert?

Warum hat es denn nun nicht geklappt? Es gibt einige Dinge, die wir im Nachhinein anders machen würden – ob das Crowdfunding dann erfolgreich gewesen wäre, wissen wir natürlich nicht. Fest steht: Hinter einer Crowdfunding-Kampagne steckt mehr Arbeit, als nur die Kampagne zu gestalten und online zu stellen. Man braucht PR, Kontakte und sehr viel Zeit. Vielleicht können wir ja anderen App-Entwicklern, die ihre App per Crowdfunding finanzieren möchten, eine kleine Hilfestellung bieten.

 

Das Video

https://youtu.be/TLt8PzadIRg

In unserem Vorstellungs-Video der Kampagne sprechen wir nicht direkt in die Kamera. Da wir keine Native Speaker sind und nicht so gerne vor der Kamera stehen, haben wir uns für eine freundliche Hintergrund-Musik entschieden. Wir sind zwar im Video zu sehen, aber eine persönliche Vorstellung hätte vielleicht geholfen. Denn darum geht’s ja beim Crowdfunding: um persönliche Geschichten und Projekte.

 

Die Plattform und die Zielgruppe

Wie oben bereits erwähnt, wollten wir unsere Kampagne international verbreiten und haben uns deshalb für Kickstarter entschieden. Eine Kickstarter-Kampagne von Deutschland aus zu starten geht aber nicht direkt. Da unser Entwickler in London gemeldet ist, konnten wir die Kampagne von UK aus starten, daher waren die Geldbeträge für die Rewards auch in Pfund angegeben.

Die englischen Kampagnentexte könnten dazu beigetragen haben, dass viele potenzielle Unterstützer aus Deutschland ausgeblieben sind. Crowdfunding ist in Deutschland lange nicht so bekannt wie in Amerika oder in England und sich auf der Seite zurecht zu finden, war wohl etwas kompliziert. Dennoch hat unser Kinder-App-Projekt in Deutschland weitaus mehr Unterstützer gefunden als im Ausland.

Hinzu kommt, dass man bei Tausenden von Projekten auf Kickstarter untergeht. Unsere App wurde zwar als „Staff Pick“ ausgewählt – Kickstarter Mitarbeiter suchen sich Projekte aus, die sie toll finden und diese werden dann gefeatured. Aber auch davon gibt es viele und uns hat das nicht wirklich geholfen. Auf Unterstützer, die direkt von Kickstarter kommen, sollte man sich eher nicht verlassen.

Bei Kickstarter muss zudem eine Kreditkarten-Nummer hinterlegt werden – was ebenfalls viele Leute abschreckt und nicht jeder hat eine. Startnext akzeptiert unter anderem auch PayPal, was vielleicht mehr Vertrauen geschaffen hätte und um einiges unkomplizierter ist. Beim nächsten Mal würden wir uns also für eine deutsche Crowdfunding-Plattform entscheiden.

 

Das Produkt (Kinder-) App

Ja, wir denken auch unser Produkt an sich könnte ein Grund für das Scheitern sein. Crowdfunding ist beliebt für die Realisierung von neuen Erfindungen und Produkten. Eine Kinder-App ist eben nichts Innovatives und nichts zum Anfassen, wie zum Beispiel ein schön gedrucktes Buch. Und 2 Pfund für eine App per Kreditkarte zu bezahlen, die dann noch nicht einmal fertig ist, ist schon sehr aufwändig.

 

Unser Funding-Ziel

Ein weiterer Grund für unser Scheitern könnte das ambitionierte Fundingziel von 7000 Pfund sein. Schließlich hatten wir letztendlich beinahe 2500 Pfund erreicht, was uns schon stark entlastet hätte. Denn da die Kampagne erfolglos war, erhalten wir gar kein Geld von Kickstarter. Auf die 7000 Pfund sind wir gekommen, da wir exakt kalkuliert haben: das Geld, das wir zur Umsetzung der App benötigen plus die Provision für Kickstarter plus die Ausgaben für die Dankeschöns, die die Unterstützer erhalten. Heute würden wir lieber ein niedrigeres Funding-Ziel ansetzen, um zumindest einen Teil unserer Kosten decken zu können.

 

Promotion

Damit hätten wir früher anfangen sollen. Wir haben einige Tage vor dem Kampagnen-Start damit begonnen, unzählige E-Mails an Eltern- und Technikmagazine, Blogs und Zeitungen zu verschicken und angefragt, ob ein Artikel oder ein Interview über unsere Kinder-App möglich wäre. Von einigen bekamen wir erst nach mehrmaligem Nachfragen eine Rückmeldung. Außerdem warten viele Redaktionen auf eine passende Lücke in ihrem Redaktions-Plan, in dem ein Artikel über uns dann erscheinen könnte. Das alles benötigt Zeit, die wir aufgrund des Zeitlimits der Kampagne nicht hatten.

Vielleicht waren wir bei dieser Presse-Arbeit auch etwas zu naiv. Die Formulierungen der ersten Mails waren nicht optimal. Zu Beginn waren die Anfragen zu unpersönlich und werblich. Nachdem die erste Welle kaum Erfolg hatte, schrieben wir die Mails um, sodass sie persönlicher und netter klangen. Auch haben wir ein personalisiertes Bild vom schwarz-weissen Rudi mit Sprechblase mitgeschickt. Das hat gut funktioniert und wir haben tolle Antworten (und auch sehr nette Absagen) bekommen.

Englischsprachige Magazine und Blogs haben kaum auf unsere Mails reagiert – auch nicht auf die personalisierten. Das war sehr schade, denn genau deren Zielgruppen hätten unserer Kampagne gut getan. Woran dieses fehlende Interesse lag, können wir nicht genau erkennen. Eventuell hatten wir als deutsche Entwickler zu wenig regionalen Bezug für die amerikanischen oder englischen Blogs.

 

Gab es auch Vorteile beim Crowdfunding?

Etwas ganz Tolles hatte die ganze Aktion aber trotzdem: Rudi ist jetzt bereits in vielen Köpfen und hat schon einige Fans gefunden. Es gibt schon jetzt einige Artikel über unseren kleinen Regenbogen, Beta-Tester anfragen und viel positives Feedback. Über diese lieben Worte sind wir sehr glücklich, denn natürlich haben wir auch ab und zu an uns gezweifelt: Ist unsere App-Idee vielleicht gar nicht so gut, wie wir dachten? Gefällt „Rudi Regenbogen“ denn niemandem? Da kamen die Rückmeldungen und Unterstützer genau richtig. Wir sind jedem einzelnen Spender bei Kickstarter, jedem, der getweetet und geteilt hat und allen Bloggern, Redakteuren und Kinder-App Entwicklern für ihren Zuspruch unglaublich dankbar.

 

Vielen Dank für's Unterstützen

 

Und wie geht es jetzt weiter?

Rudi Regenbogen wird es trotzdem in den App Store schaffen, davon sind wir überzeugt. Eine neue Crowdfunding-Kampagne wird es für die Kinder-App aber nicht geben. Das würde den Release weiter hinauszögern und uns noch mehr Nerven kosten – Crowdfunding ist ein Fulltime-Job und wir möchten die Zeit lieber in die Fertigstellung unserer App stecken. Für die Vertonung haben wir schon ein tolles Tonstudio gefunden und die englische Übersetzung in Auftrag gegeben.

Natürlich ist es sehr schade, dass es mit dem Crowdfunding nicht geklappt hat, denn ein finanzieller Puffer wäre besonders im Hinblick auf eine weitere App mehr als ideal gewesen. Jetzt greifen wir auf unsere eigenen Rücklagen zurück, denn Kinder sollen Rudi unbedingt kennenlernen. Wir schaffen das!

 

 

3 Kommentare zu “Rudi auf Kickstarter: Warum das Crowfunding für unsere Kinder-App nicht geklappt hat

  1. Michal

    Great story, thanks for sharing. Many useful tips, especially about press contacting.

    Your app is great, you will do it. I keep my finger crossed for Rudi!

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  2. Fenke

    Ich drücke Euch auch die Daumen für die nächste Runde! Und dieser Beitrag ist wirklich toll – hilfreich auch für alle, die sich ans Crowdfunding wagen wollen.

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  3. Thomas

    Auch wenn es dieses Mal nicht geklappt hat, Crowdfunding ist und bleibt eine tolle Finanzierungsalternative, um solche Projekte auf die Beine zu stellen. Das sollte auch weiterhin genutzt werden.

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